Betty White




Als unbestritten eine der beliebtesten und meisttalentierten Schauspielerinnen der Fernsehlandschaft begann Betty White ihre Karriere im Regionalfernsehen. Durch Mut und Willen drang sie sich als Frau durch die Männerdomäne Fernsehen und wurde als Produzentin ihrer eigenen Fernsehsitcom zu einer Pionierin des TV-Geschäfts. Ihre Karriere überspannt bereits einen Zeitraum von fast 60 Jahren, in denen sie stets auf der Karriereleiter weiter nach oben kletterte und ihre Höhepunkte in den 70iger und 80iger Jahre erreichte. Mit wenigen Ausnahmen blieb sie dem Medium Fernsehen treu und wagte nur sporadisch Auftritte in Radio, Bühne und Film. Ihr Talent und vor allem ihr Zusammenspiel mit anderen Schauspielern in einem Ensemble machten sie zusammen mit ihrem einzigartigem Gespür für Komödie und Timing zu einer der meistgefragten und beliebtesten Persönlichkeiten auf dem Bildschirm. Eine Legende, bereits zu Lebzeiten.
Geboren am 17. Januar 1922 in Oak Park, Illinois, wuchs sie in reichem Elternhaus auf. Als Betty zwei Jahre alt war zogen die Whites (amerikanische „Aristokratie“ mit vor allem deutschem und britischem Blut) in das boomende Südkalifornien um und liessen sich bald darauf in dem noblem Los Angeles Vorort Beverly Hills nieder, ein Ort idyllisch am Fusse der Santa Monica Mountains umrandet von Orangenhainen gelegen. Der kleine Ort wurde in den frühen 20iger Jahren besonders bekannt, da sich die Topstars des Films Mary Pickford, Douglas Fairbanks und Charles Chaplin dort Villen bauten und sich niederliessen. Betty besuchte die Schulen in Beverly Hills und machte ihren Abschluss an der Beverly Hills High (die High School die Jahrzehnte später durch einige pubertierende Teenies weltberühmt werden sollte...). Auf der Beverly Hills High war sie Mitglied in der Schauspielgruppe und trat in einigen Theaterstücken auf. Das führte dazu, dass sie nach der Schule den Wunsch hegte eine professionelle Schauspielerin zu werden. Sie begann Schauspielunterricht zu nehmen am Bliss-Hayden Little Theatre (einer Schule mit eigenem Theater das heute unter dem Namen Beverly Hills Playhouse weiter existiert.) Daneben begann White sich als Radiosprecherin ihr Taschengeld zu verdienen.
In dieser Zeit, unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg boomte in den USA das Fernsehgeschäft. Dem Film ging es schlechter und schlechter, da das Publikum jetzt zu Hause sitzen bleiben konnte und durch die Röhre unterhalten wurde. Fernsehen wurde im Los Angeles der 40iger Jahre zu einem der wichtigsten Arbeitsgeber der Stadt und warb viele junge Schauspieler gleich vom Film ab, bevor sie richtig begonnen hatten. So auch Betty White.
Am Bliss-Hayden hatte sie auch die Chance des öfteren auf der Bühne zu stehen und wurde dabei von Al Jarvis entdeckt. Jarvis hatte seine eigene Fernsehshow auf KLAC, einem LA Regionalsender. Sechs Tage die Woche legte er die Platten der Hitparade im Fernsehen auf und die Zuschauer zu Hause konnten vor ihrem Bildschirm Swing tanzen. Zwischen den Liedern führte er Interviews mit den Sängern und Bandleadern und spielte kleine peinlich-komische Sketche auf, die so verpackt eigentlich die Werbung für die Sponsoren der Sendung waren. 1949 holte Jarvis Betty White zu sich und setzte sie zunächst als sein “Girl Friday“ ein, was heisst, am Freitag blieb er zu Hause und Betty führte durch die Sendung.
Die „Al Jarvis Show“ war Betty Whites erstes professionelles Engagement und machte ihr beim TV-Publikum in Los Angeles schlagartig einen Namen. Und zwar nicht nur als Plattenauflegerin, sondern auch als Komödiantin in den Sketches und als Moderatorin und Entertainerin. 1952 kündigte Jarvis seine Stelle, Betty wurde als Moderatorin auf die ganze Woche besetzt und der Titel wurde auf „The Betty White Show“ geändert.
Währenddem White in ihrer eigenen Show Platten auflegte gründete sie 1952 mit zwei männlichen Partnern „Bandy Productions“, um ihre eigene Sitcom zu produzieren. Seit dem Start der Mutter-aller-Sitcoms „I Love Lucy“ sprossen auf allen Fernsehsendern neue Sitcoms aus dem Boden. Die Idee, eine Komödie vor einem Publikum mit vier bis sechs Kameras gleichzeitig zu filmen schlug wie eine Bombe ein und es versuchte dem Zuschauer ein Gefühl von dabei zu sein zu vermitteln. Das Schema der Sitcoms, wie es 1950 zum ersten mal eingesetzt wurde, hat sich bis heute bewährt.
Für ihre Sitcom wählte Betty White den Titel „Life With Elizabeth“, die Geschichte des jungvermählten Paares Elizabeth und Alvin, das so einige Abenteuer bestehen muss um sich ans junge Eheglück zu gewöhnen. „Life With Elizabeth“ wurde von Beginn 1952 an im Los Angeles Regionalfernsehen ausgestrahlt und wurde sofort zum Hit. Dadurch wurden Nationale Produzenten auf diese Serie aufmerksam und nicht einmal ein Jahr später wurde die Show jede Woche einmal in die Haushalte der ganzen USA übertragen. „Life With Elizabeth“ machte Betty somit zum nationalen Star. Von Anfang an war der naive Charakter der Elizabeth ein gern gesehener Gast in den Haushalten tausender Amerikanern, und bei den Fernsehproduzenten hatte Betty White sich bewiesen, war sie doch Co-Erfinder, Produzent und Hauptdarsteller dieser Serie. Und das als 28 jährige Frau! Durch diese Leistung kann man sie zu den drei wichtigsten weiblichen TV-Pionieren neben Lucille Ball und Gertrude Berg stellen.
„Live With Elizabeth“ gewann Betty White gleich nach der ersten Saison ihren ersten Emmy. Ein Zeichen dafür, dass sie bereits auf einem Höhepunkt ihrer Karriere angekommen war. „Elizabeth“ lief erfolgreich bis 1955. In der Zwischenzeit hatte Betty ihre Plattenshow aufgegeben und Produzierte mit ihrer Firma von 1954 an noch eine zweite Sitcom neben „Elizabeth“. Diese nannte sie wiederum „The Betty White Show“ und wurde von NBC ausgestrahlt. „The Betty White Show“ war jedoch nicht sehr erfolgreich und wurde bereits nach einem Jahr, zur selben Zeit wie „Life With Elizabeth“ wieder abgesetzt. Diese zwei Niederlagen so kurz nach dem Höhenflug trugen dazu bei, dass sich Betty umorientierte und nicht mehr produzieren wollte. Durch die nächsten zwei Jahre war sie auf sämtlichen grossen Talkshows als Gast in Sketchen und auch als Sängerin zu sehen. Sie war besonders oft in der „Jack Paar Show“, der Mutter-aller-Talkshows und auch in der „Tonight Show“, die damals von Jack Allen moderiert wurde. Erst 1957 liess sie sich von ABC überreden wieder eine eigene Sitcom zu produzieren. Eigentlich ein Abklatsch von „Life With Elizabeth“ entstand 1957 die Sitcom „A Date With The Angels“, die nicht sehr gut vom Publikum aufgenommen wurde. Bereits sechs Monate später wurde sie umbenannt zu „The Betty White Show“, wiedermal derselbe Titel und wiedermal kein Erfolg. Im April 1958 entschied ABC die Show abzusetzen.
Durch den erneuten Niederschlag entschied sich Betty White gar nicht mehr zu produzieren und trat in den darauffolgenden Jahren in Unzähligen Sitcoms , Fernsehserien und Fernsehspielen in Gastrollen auf. Auch fand sie Spass an Game-Shows, bei denen sie bis heute ein gerngesehener Gast ist.
1962 trat sie zum ersten mal in ihrer Karriere, die jetzt schon über zehn Jahre zählte, in einem Kinofilm auf. Sie erhielt eine kleine Rolle in einem vergessenen Film von Hollywood-Veteran Otto Preminger namens „Advise and Consent“. Die Arbeit an diesem Film hätte sie jedoch nicht überzeugen können vom Fernsehgeschäft ins Filmgeschäft zu wechseln. Die schnelle Arbeit vor mehreren Kameras war ihr geläufiger und lieber. Es dauerte auch 36 Jahre bis sie 1998 wieder für einen Kinofilm vor die Kamera trat.
1963 heiratete Betty in Las Vegas Allen Ludden, den Moderator der Spielshow „Password“, bei der sie seit 1961 ein regelmässiger Gast war. Ludden war Fernehzuschauern aus vielen Serien und Spielshows bekannt. Durch die 60iger Jahre hindurch moderierte Betty auch einige Spielshows und trat in unzähligen Episoden von TV-Serien auf. Erst 1973 kam ein erneuter Durchbruch.
Seit 1970 brach die Sitcom „Mary Tyler Moore Show“ alle Rekorde und „MTM“ wurde wohl die erfolgreichste Sitcom in den USA der 70iger Jahre. Betty White und Mary Tyler Moore waren seit langer Zeit Freundinnen und 1973 trat Betty als Gast in der 73 Episode von „MTM“ auf. Dieser kurze Auftritt brachte ihr 1973 sofort eine Emmy Nominierung ein. Und dadurch boten ihr die Produzenten der Show eine regelmässige Rolle in „MTM“ an.
White spielte Sue Ann Nivens, eine eher konservativ aussehende Moderatorin einer Kochshow, die aber eigentlich eine unerbitterte Männerjägerin war und nur Sex im Kopf hatte. Diese Rolle war so erfolgreich und Betty White verkörperte sie mit so viel Realität und Überzeugung, dass sich ihr Image sofort zur Sexhungrigen Hausfrau verwandelte. Betty war zwar erst in der dritten Saison eingestiegen zählte aber sofort zum festen Bestandteil der Sitcom und wurde in einigen Umfragen sogar als beliebter bewertet als die Hauptdarstellerin Mary Tyler Moore. Der Name Sue Ann Nivens schlich sich sogar ins US-Vokabular der 70iger Jahre ein als Synonym für die nach aussen konservative aber innerlich mit Leidenschaft und Perversion auflodernden Frau. Betty gewann für ihre Darstellung 1975 und 1976 weitere Emmys und war wieder auf einem Höhepunkt in ihrer Karriere angekommen. „The Mary Tyler Moore Show“ endete 1977 und Betty konnte sich vor Angeboten kaum retten.
CBS machte ihr das Angebot, wieder eine eigene Sitcom zu haben und im Herbst 1977 kam (wiedermal) „The Betty White Show“ raus. Von den Kritikern gelobt fand die Show leider kein Publikum und hatte einen schweren Stand im Montagabendprogramm wo andere erfolgreiche Serien liefen. Bereits ein Jahr später wurde sie abgesetzt, und es war so der letzte Versuch eine „Betty White Show“ zu machen. 1981 starb ihr Mann Allen Ludden und Betty arbeitete einige Jahre nicht mehr so viel. Sie arbeitete weiterhin in Fernsehserien (u. a. „Hotel“, St. Elswhere“, „Love Boat“ etc.) und Fernsehfilmen. Nicht des Geldes wegen, sondern aus Spass entschied sie sich 1983 wieder die Moderation einer Gameshow zu übernehmen. Ganz in ihrer Rolle aus „MTM“ moderierte sie die Show „Just Men!“ eine Spielshow wo nur Männer mitmachen durften. Ihre zweideutigen und spritzigen Sprüche waren eigentlich der Hauptgrund, warum die Zuschauer einschalteten. „Just Men!“ lief nur anderthalb Jahre, brachte Betty jedoch den Emmy für den Gameshow Moderator des Jahres ein, eine Annerkennung, die weder vorher und noch nachher an eine Frau ging. 1985 begannen die Dreharbeiten zum bisher grössten Hit ihrer Karriere. Drei der meistgefragten Komödiantinnen des Fernsehens wurden vereint in einer Sitcom über vier alternde Frauen die sich ein Haus teilen. Als NBC die Serie in Angriff nahm boten sie Betty White sofort die Rolle der Blanche Deveraux, in der Hoffnung, sie könnten auf den Erfolg von Sue Ann Nivens aufbauen. Aber nachdem Betty das Script für den Pilotfilm und das Konzept der Show gelesen hatte, rief sie die Produzenten an und sagte, sie werde nicht dabei sein, ausser sie kriege die Rolle der naiven Rose Nylund. NBC fügte sich, da sie White unbedingt mit dabei haben wollten und besetzten Rue McClanahan um, die als Rose bestimmt war. Heute kann man sich gar nicht mehr vorstellen, wie das rausgekommen wäre. „Golden Girls“ wurde sofort zum Hit und zu einer der erfolgreichsten Serien der 80iger Jahre und bereits nach der ersten Saison waren sowohl Arthur, McClanahan wie auch White für einen Emmy nominiert. Betty White gewann ihn in diesem Jahr. Irgendwie hatte sich hier ein Kreis geschlossen für Betty. Elizabeth in „Life With Elizabeth“, die sie vor mehr als 30 Jahren verkörpert hatte, war wie Rose Nylund in “Golden Girls” die naive aber liebenswerte Frau von nebenan. „Golden Girls“ endete durch Arthurs weggehen 1992 und Betty entschied sich mir McClanahan und Getty die Folgeserie „Golden Palace“ zu machen. Die Serie wurde aber bereits nach einem Jahr abgesetzt. 1994 erschien ihre Autobiographie „Here We Go Again: My Life In Television“, ein New York Times Bestseller. Betty spielte weiterhin in Fernsehserien als Gast und war oft in Werbung zu sehen. Nach „The Mary Tyler Moore Show“ und „Golden Girls“ war sie eine so bekannte Fernehpersönlichkeit, dass es fast schwierig für sie wurde in Serien noch eingesetzt zu werden und einen Charakter zu spielen der nicht Sue Ann Nivens oder Rose Nylund war. Oft spielte sie sich selbst und entschied sich vermehrt in Fernsehfilmen aufzutreten. Zudem rang sie sich durch 1998 wieder einen Kinofilm zu drehen. Sie spielte kleinere Rollen in „Hard Rain“ (1998), „Lake Placid“ (1999) und „Story Of Us“ (mit Bruce Willis und Michelle Pfeiffer, 1999). Auch 1999 übernahm sie wieder eine regelmässige Rolle in der Sitcom „Ladies Man“ mit Alfred Molina, die zwei Jahre lang bis 2001 lief. 1996 wurde ihr eine besondere Ehre zuteil, als sie in die Television Hall of Fame aufgenommen wurde. Eine Ehre, die erst 9 Frauen vor ihr erhielten. Von da an war Betty White eine Legende. Sie dreht bis heute Filme (2003 „Bringing Down The House“ mit Steve Martin und Queen Lativa), spielt in Fernsehserien, sitzt noch immer als Mitspieler in Gameshows rein, weil es ihr einfach Spass macht! Zudem verbringt sie viel Zeit für karitative Zwecke, besonders für Tiere setzt sie sich ein und ist auch Autorin eines Buches über Haustiere. Ein Energiebündel ohne Gleichen. Betty White genoss eine lange, erfolgreiche Karriere mit vielen Höhepunkten. Von den Anfängen des Fernsehens als „DJ“, selbstständige Produzentin, Gameshowspielerin bis zu der Gewinnerin einer Handvoll von Emmys – von „Girl Friday“ zu „Golden Girls“. White sagte, dass der langjährige Erfolg ihrer Karriere durch die „Vertrautheit“ kommt. Die Generation, die sie als Elizabeth kannte blieb mit ihr bis zu Rose. Und die Generationen, die folgten lernten sie irgendwo auf ihrem Weg kennen und schätzen. Jede neue Inkarnation von Betty White hat ihr eine weitere Fangemeinde eingebracht. Aber sowohl als sich selbst, wie auch in ihren Rollen (und in ihrer Karriere hat sie mehr verschiedene Charakteren gespielt, als so mancher erfolgreiche Schauspieler) hat Betty White durch ihr Talent und ihre Genialität die Zuschauer immer in ihren Bann gezogen. Und diese Qualität, diese Gewohnheit und diese Vertrautheit macht einige Fernsehdarsteller einfach einzigartig und langlebend – legendär.
Betty White ist noch die aktivste der vier Golden Girls, obwohl sie die zweit älteste ist. In den USA lief gerade ein Fernsehfilm namens „Annie´s Point“ mit Betty in der Hauptrolle. Zudem ist sie noch immer sehr viel in Fernsehserien zu sehen. Ihre letzte feste Rolle in einer Sitcom war in „Ladie´s Man“ mit Alfred Molina, die von 1999 bis 2001 gedreht wurde. Betty war in jeder Folge dabei. Seither ist sie sporadisch als Catherine Piper in der Erfolgsdramaserie „The Practice“ aufgetreten, eine Rolle die dann in die noch relativ neue Hitdramaserie „Boston Legal“ übernommen wurde, in der Betty in der momentanen Staffel bereits in vier Folgen zu sehen war. Zudem hatte sie durch das letzte Jahr durch Gastaustritte in u.a. „The Ellen DeGeneres Show“ und (wie bereits erwähnt) „Malcom in the Middle“. Betty ist also auch noch mit 83 Jahren ein Workoholic!

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Biographien der Golden Girls Darsteller