Sheree North



Sheree North ist sicher eine der bekannteren Schauspielerinnen, die in den “Golden Girls” eine Nebenrolle annahm. Bereits in der vierten Folge der ersten Staffel, verkörperte sie Blanches Schwester Virginia, die auf der Suche nach einer Nierenspenderin ist. Durch die Jahre durch wurde der Charakter von Virginia immer wieder in Blanches Erzählungen verwendet, aber erst in der fünften Staffel trat North wieder auf, in der Episode als Blanche und Dorothy nach Atlanta zu Big Daddys Beerdigung fliegen.
Sheree North wird am 17. Januar 1933 in Los Angeles als Dawn Shirley Bethel geboren. Bereits als Kind schicken sie ihre Eltern in die Tanzschule, und sie wird zu einer ausgesprochen guten Tänzerin. Bereits mit 10 Jahren tanzt sie auf Truppenbetreuungsbühnen in Los Angeles und in der Hollywood Canteen. 1946 mit 13 Jahren wird sie als festes Mitglied der Chorus Girls im Greek Theater angenommen.
Mit 15 heiratet sie Fred Bessire und kriegt ein Jahr später eine Tochter von ihm, die sie Dawn nennen. Kurz nach der Geburt ihrer Tochter entscheidet sie sich jedoch gegen die Familie, reicht die Scheidung ein und will zurück zur Bühne. Es werden hektische, aber sehr erfolgreiche Jahre. Sie wechselt ihren Namen zu Sheree North, tanzt in einigen grossen Varietetheater in Los Angeles und Las Vegas, soll in einigen 8mm Pornofilmen mitgespielt haben und macht 1951 in einer Statistenrolle ihr Kinodebüt in einem MGM-Musical. Durch die Jahre arbeitet sie auch noch als Sekretärin, um sich und ihre Tochter zu ernähren.
Ende 1952 wird sie vom Choreographen Bob Alton im Mocayo Club in Santa Monica entdeckt und erhält eine kleine aber auffällige Rolle in dem Broadway Musical „Hazel Flagg“, das im Februar 1953 Premiere feiert. Sheree wird über Nacht zum Star. Mit ihrer frivolen Art, ihren erotischen Bewegungen tanzt sie sich in die Phantasien der Männer hinein und wird zu einer Broadwayattraktion. Als im selben Jahr das Bühnenmusical zu einem Film mit Dean Martin und Jerry Lewis umgewandelt wird, kriegt North die Rolle, die sie auf der Bühne spielte und wird nun endlich einem breiteren Publikum bekannt. Sogar als sie sich bei Proben im Paramount Studio den Knöchel bricht, werden die Dreharbeiten für zwei Monate unterbrochen, nur damit man sie nicht verliert. Sie ist nun „heisses Eisen“.
„Living it up“ („Der sympathische Hochstapler“, 1954, wie die Martin/Lewis Version hiess) macht North so bekannt, dass sich die 20th Century Fox sofort bei ihr meldet, ihre einen fünf Jahres Vertrag anbietet und ihr verspricht sie zur neuen Marilyn Monroe zu machen. Daran wird auch ganz effizient gearbeitet.
Monroe, die auch bei Fox unter Vertrag steht, weigert sich immer mehr und mehr zu Dreharbeiten zu erscheinen, lehnt gewisse Filme ganz ab, die ihr vom Studio aufgetragen werden. Sie versucht aus ihrer Rolle als dumme Blondine auszusteigen, was sie dann auch macht, dadurch, dass sie Hollywood einfach verlässt und sich zwei Jahre in New York aufhält und ihre eigene Produktionsfirma gründet. Der Rechtsstreit zwischen Monroe und der Fox und das Fehlen ihres grössten Stars ängstigt die Studiobosse sofort und es wird versucht eine Nachfolgerin zu finden, die genauso viel Geld einbringen kann.
Sheree North kriegt einige Kameratests die vielversprechend klingen. Sie wird für die von Marilyn Monroe abgelehnte Rolle in „Girl in Pink Tights“ getestet und die grosse Ankündigung danach, Sheree North werde die Rolle spielen, ist eigentlich eher der letzte Versuch die Monroe zu verängstigen. Die reagiert jedoch nicht und der Film verschwindet ganz in der Versenkung und wird nie gedreht. Dasselbe Spiel wird mit „There´s No Business Like Show Business“ (“Rhythmus im Blut”, 1954) gemacht. Nachdem Marilyn die Rolle ablehnt wird North dafür getestet und Marilyn unter die Nase gehalten, die Jüngere werde die Rolle erhalten. Monroe willigt dann jedoch ein, aber nur unter der Bedingung, dass sie im Jahr darauf die Hauptrolle in „The Seven Year Itch“ („Das verflixte siebte Jahr“, 1955) erhalten wird. Also ist Sheree schon wieder ohne Arbeit. 1955 will die Fox Marilyn Monroe noch für ein weiteres seichtes Musical verpflichten. In „How To Be Very, Very Popular“ (1955) soll Frank Sinatra die männliche Hauptrolle spielen und der Film durch die Namen Sinatra und Monroe, der Kassenschlager des Jahres werden. Aber wieder macht die Monroe einen Strich durch die Rechnung. Sie lehnt das Drehbuch strickte ab und taucht für einige Monate unter. Diesmal kriegt Sheree North die Rolle, wodurch Frank Sinatra ablehnt und für ihn der eher unbekannte Robert Cummings engagiert wird. Der Film wird ein mässiger Erfolg, und ist bis heute nur noch halbwegs bekannt durch Norths skandalöse Rock´n´Roll Tanznummer (die als erste Rock´n´Roll Darbietung in einem Kinofilm gilt) und durch Betty Grables letzten Auftritt in einem Film. 1955 heiratet Sheree zudem den Plattenproduzenten John M. Freeman. Die Ehe wird 1957 wieder annuliert.
Auch wenn Sheree North zunächst alle Zuneigung der Fox hatte, änderte sich dies, als Jayne Mansfield das Studio betrat. Die Fox sah in Mansfield nicht nur die neue Marilyn Monroe, sondern auch deren Verarschung. Mansfield trieb das Klischee der dummen Blondine auf die Spitze und wurde eher zu einer Persiflage dieses Images (noch grössere Brüste, noch blondere Haare, noch höhere Stimme etc.). Und dadurch war sie North überlegen und kam beim Publikum besser an.
In den darauffolgenden Jahren wird Sheree North zwar rege eingesetzt, aber die Rollen und die Filme werden immer schlechter. 1958 nach fünf Jahren und neun Filmen für die Fox wird ihr Vertrag nicht erneuert. Sie hatte ganz oben angefangen und kletterte die Leiter nur gegen unten. Wie so viele talentierte Frauen wurde sie zum Opfer der Hollywood Studio-System Maschinerie. Sie war desillusioniert und wollte von Hollywood für den Moment nichts mehr wissen.
Im Dezember 1958 heiratet North ihren Psychiater Dr. Gerhardt Sommer und die beiden kriegen im darauffolgenden Jahr eine Tochter, die sie Erica nennen.
1959 kehrt Sheree auf die Bühne zurück und tourt mit unterschiedlichen Stücken und Musicals durch die USA. 1961 spielt sie sehr erfolgreich in „Two For The Sea Saw“, „Irma La Duce“ und „Can-Can“. 1962 schafft sie es zurück an den Broadway, wo sie im Musical „I Can Get It For You Wholesale“ eine Nebenrolle erhält. Die Besetzung beinhaltet auch Barbra Streisand und Elliott Gould.
1963 kehrt North vor die Kamera zurück, arbeitet aber nur fürs Fernsehen. Sie reicht die Scheidung von Sommer ein und wird wieder aktiver. Um sich und ihre Tochter Erica (die ältere Tochter Dawn lebt nun bei ihrem Vater) zu ernähren steht sie in unzähligen Fernsehserien in kleinen Gastrollen vor der Kamera. Erst 1966 erhält sie wieder eine Rolle in einem Kinofilm. „Destination Inner Space“ ist ein fragwürdiges B-Movie, das sie kaum weiterbringt. Es ist der Regisseur Don Siegel, der 1968 ihr Talent erst so richtig entdeckt, und Sheree eine kleine Rolle in seinem Film „Madigan“ („Nur noch 72 Stunden“, 1968, mit Richard Widmark und Henry Fonda) gibt. Sheree findet nun endlich ihre Nische als Charakterdarstellerin, in kleineren aber wichtigen Rollen, die ihr, durch ihr Talent, wieder einen Namen bei den Zuschauern geben.
Es folgen unter anderem „The Gypsy Moths“ („Die den Hals riskieren“, 1969, mit Burt Lancaster und Deborah Kerr), das Elvis Presley Vehicle „The Trouble With Girls“ („Immer Ärger mit den Mädchen“, 1969), „The Organization“ („Die Organisation“, 1971, mit Sidney Poitier), und die Don Siegel Filme „Charley Varrick“ („Der grosse Coup“, 1973, mit Walter Matthau), „The Sootist“ („Der Scharfschütze“, 1976, mit John Wayne, Lauren Bacall und James Stewart) und „Telefon“ („Telefon“, 1977, mit Charles Bronson).
Durch die 70iger und 80iger Jahre spielt Sheree North zudem in unzähligen Fernsehfilmen und Serien mit. Heute ist es ruhiger um sie geworden. Sie spielt noch ab und an Nebenrollen in Filmen und ist auch weiterhin sporadisch im Fernsehen zu sehen, wie in „Seinfeld“ wo sie zweimal als Kramers Mutter auftrat und seinen richtigen Namen verriet.
1980 spielte sie in einer TV-Verfilmung des Lebens von Marilyn Monroe deren Mutter Gladys Baker. Eine Rollenwahl die für Furore sorgte, hatte sie ihre Karriere doch nur einem Phänomen zu verdanken. Dem Phänomen Marilyn Monroe. Auch wenn North durch die Jahre immer in Film, Fernsehen und auf der Bühne präsent war, ihr immenses Talent unter Beweis stellte und eine Karriere als seriöse Charakterschauspielerin aufbaute, erinnert man sich heute doch noch in erster Linie an Sheree North, die die neue Marilyn Monroe hätte werden sollen.

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